Das Rennen um die deutsche Handball-Meisterschaft bleibt spannend: In einem hochdramatischen Spiel trennten sich der THW Kiel und der HSV Hamburg 29:29 (16:17).
Der Rekordmeister von der Förde verteidigte mit 28:2 Punkten die Tabellenführung vor den Hamburgern (27:3). Beste Werfer vor 10 250 Zuschauern in der ausverkauften Sparkassen-Arena waren Momir Ilic (8/3) und Filip Jicha (8/2) für Kiel sowie Pascal Hens (6) für den HSV.
'Es war ein tolles Handballspiel mit viel Tempo und viel Kampf', sagte der Kieler Kreisläufer Marcus Ahlm. Team-Kollege Filip Jicha sieht einen Zweikampf an der Spitze bis zum Saisonende. 'Das bleibt ein Kopf-an-Kopf-Rennen', sagte der Tscheche. Das Gipfeltreffen der beiden besten Mannschaften Deutschlands hielt, was es im Vorfeld versprochen hatte. Sowohl die Kieler als auch die Hamburger boten Handballsport auf allerhöchstem Niveau. Der HSV begann sehr abgeklärt und selbstbewusst, wartete auf die sich bietenden Gelegenheiten. Mit einer aggressiven 3:2:1-Abwehr wurde der THW in den ungeliebten Positionsangriff gezwungen. Hinter dem Bollwerk agierte ein starker HSV-Schlussmann Per Sandström.
Der THW Kiel kam dagegen zunächst nicht richtig in Fahrt. Vor allem das gefürchtete Tempospiel fand in der ersten Halbzeit nicht statt. Die Flügelzange mit den blitzschnellen Christian Sprenger und Henrik Lundström blieb vor dem Seitenwechsel ohne Torerfolg. Der schwedische Linksaußen wurde von THW-Trainer Alfred Gislasson kurzfristig sogar für einen zweiten Kreisläufer geopfert.
Fünf Minuten vor dem Seitenwechsel sorgte Hamburgs Domagoj Duvnjak für die erste Vier-Tore-Führung der Gäste (16:12). Kiel aber hielt dagegen: Ahlm, Christian Zeitz und Ilic sorgten mit einem Dreierpack für den knappen 16:17-Halbzeitstand. Mit der ersten THW- Führung zum 19:18 durch Filip Jicha (35. Minute) verwandelte sich die Arena endgültig in den gefürchteten Hexenkessel. 'In der zweiten Halbzeit standen wir in der Abwehr besser', sagte Jicha.
Der HSV warf alles in die Waagschale, brachte sogar den frisch genesenen Bertrand Gille. Der Schachzug von HSV-Trainer Martin Schwalb, in der zweiten Halbzeit auf Johannes Bitter als Torhüter zu setzen, ging auf. Mit seinen Paraden hielt er den HSV im Spiel. 'Wir sind ein bisschen traurig. Es war heute mehr drin', meinte Bitter. Sein Team hatte die Chance, den 'Zebras' die erste Heimniederlage seit 34 Spielen zuzufügen. Die letzte Niederlage auf heimischem Parkett hatte der THW am 6. November 2007 hinnehmen müssen - gegen den HSV.
HSV Hamburg nimmt Torhüter Chrischa Hannawald für die letzten Spiele des Jahres unter Vertrag. Der 38 Jahre alte ehemalige Nationaltorwart steht aber lediglich auf Abruf, falls sich Stammtorhüter Johannes Bitter einer Ellenbogen- Operation unterziehen sollte.
Im Schatten des Spitzenspiels sorgte der TBV Lemgo für einen peinlichen Ausrutscher. Die Ostwestfalen blamierten sich bei Aufsteiger TSV Hannover-Burgdorf mit einer 25:26-Niederlage. Die direkte Konkurrenz um einen Champions-League-Platz feierte Siege: Die SG Flensburg-Handewitt deklassierte GWD Minden mit 35:21, Frisch Auf Göppingen erkämpfte sich im weiteren Spitzenspiel gegen den VfL Gummersbach einen 31:29-Erfolg.
In der unteren Tabellenregion kamen MT Melsungen und der TuS N- Lübbecke zu wichtigen Siegen im Kampf um den Klassenverbleib. Die Hessen gewannen vor 1229 Zuschauern bei der HSG Düsseldorf 26:11 (12:11) und holten ihren fünften Saisonsieg. Lübbecke behielt gegen HBW Balingen-Weilstetten 32:24 (18:11) unerwartet klar die Oberhand.
Quelle: sport.de | Foto: dpa